Im Interview - Zahnärztin Paula Stiebi

Zahnärztin Paula Stiebi - „Investition in gesunde Zähne“

Zahnärztin Paula StiebiPaula Stiebi (Jahrgang 1988) hat von 2008 bis 2013 Zahnmedizin an der Universität Heidelberg studiert. Zu ihren Hobbys gehören Sport, Reisen (unter anderen nach Mexiko, Costa Rica und Sri Lanka), Bouldern, Schwimmen, Tauchen und Malen. An ihrem Beruf als Zahnärztin schätzt sie besonders die einzigartige Verbindung aus kreativem Handwerk und den Heilungsmethoden der modernen Medizin. Seit 2016 unterstützt sie das Team der dental ästhetik.


Was gefällt Ihnen besonders an Ihrem Beruf?

Es ist ein Beruf, der einem ein Leben lang Spaß machen kann. Ich finde es toll, dass man jeden Tag etwas anderes macht. In meinem Arbeitstag passiert nie das gleiche, man kommt nie in irgendeinen Trott. Ich muss jeden Tag spontan auf neue, schwierige Aufgaben reagieren. Und ich habe immer mit Leuten zu tun und wenn die nach Hause gehen und happy sind, besonders wenn sie vorher tot unglücklich waren, dann ist das natürlich ein ganz besonders schönes Ergebnis.

Sicher, gerade auch weil die Zähne ja viel zum Gesamtbild einer Person beitragen...

Genau! Und es ist ja nicht nur das Aussehen. Da sind viele Patienten, die können gar nicht mehr richtig essen, nicht mehr kauen. Das ist eine Geschichte. Aber auch wenn Patienten Schmerzen haben, Patienten, die seit Ewigkeiten nicht mehr beim Zahnarzt waren, besonders Angstpatienten, wenn die sich überwinden und man es schafft, Vertrauen aufzubauen und die Behandlung erfolgreich durchzuführen, dann haben diese Menschen eine ganz neue Lebensqualität. Nicht nur, das sie wieder lachen können, sondern auch, dass sie wieder am Alltag teilnehmen können, essen können, rausgehen können, mit anderen Leuten essen gehen können, ja, das macht für die Lebensqualität einen ganz schönen Unterschied.

Was sind das für Fälle? Stehen da Zähne schief oder leiden die Patienten an Zahnschmerzen?

Also es gibt einige Fälle, da fehlen Patienten einige Zähne oder viele sind kaputt, weil die Patienten durch schlechte Erfahrungen, die sie früher einmal gemacht hatten, sich gar nicht mehr zum Zahnarzt getraut haben, über zehn, 20 Jahre. Aufgrund der Schmerzen wird es dann am Ende so schlimm, dass sie nicht mehr richtig essen können. Sie trauen sich nicht aus dem Haus. Irgendwann wird der Druck dann so groß, dass sie sich doch dazu überwinden, zum Zahnarzt zu gehen. Das ist dann ein schönes Stück Arbeit, das wieder hinzubekommen. Aber wenn das dann klappt, dann ist das natürlich ein super Erfolg. Natürlich, das sind und bleiben Ausnahmefälle.

Trotz aller Aufklärung kommt es noch vor, dass manche Menschen nicht zum Zahnarzt gehen und ihre Zähne verkommen lassen...

Genau! Doch ich glaube nicht, dass es an der Aufklärung mangelt, sondern oft ist das bedingt durch schlechte Erfahrungen in der Kindheit, durch ein Trauma. Diese psychologischen Ängste spielen immer noch eine große Rolle.

Wie können Sie diesen Patienten helfen?

Wir vereinbaren in der ersten Sitzung nur ein Gespräch, ganz in Ruhe, um herauszufinden, was der Fall ist. Wir lassen den Patienten viel erzählen, um zu gucken, was für Bedürfnisse da sind und welche Ängste. Es gilt, dem Patienten diese Ängste zu nehmen. Wir tasten uns da langsam heran, Schritt für Schritt. Man muss aufpassen, dass man das Ganze nicht überstürzt. Wenn solche Patienten kommen und man versucht, in einer Hau-Ruck-Aktion das Gröbste gleich am ersten Termin zu machen, erschreckt man diese eher, als dass man hilft. Wir geben dem Patienten immer das Gefühl, dass er sicher ist, dass er die Kontrolle hat. Es geht darum, die Patienten nicht zu überfordern.

Da hat offenbar eine optimale Zahnhygiene gefehlt...

Sicher auch. Nun, es ist allerdings schwer zu sagen, warum sich manche Menschen zuhause nicht die Zähne putzen. Das kann Resignation sein, wenn sie denken, das ist jetzt so kaputt, das muss ich nicht mehr putzen. Oder manche Menschen haben andere Probleme in ihrem Leben, die so schwerwiegend sind, dass ihnen das Zähneputzen nicht so wichtig vorkommt. Woran es liegt, weiß man nicht. Die Prophylaxe ist ja eine Privatleistung, die nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen wird. Das ist dann natürlich auch eine finanzielle Überwindung für den Patienten zu sagen, nun gut, einmal im Jahr gehe ich zu dieser Zahnreinigung und nehme das auf mich. Es ist manchmal schwierig, die Patienten davon zu überzeugen, dass diese Prophylaxe tatsächlich Sinn macht.

Ok, dann wird möglicherweise am falschen Ende gespart?

Es ist da sinnvoll, für eine bessere Qualität Geld auszugeben. Das ist wie bei anderen Produkten oder Dienstleistungen auch. Beispiel Haushaltsgeräte: Da kann man sich auch eine Miele-Waschmaschine kaufen, die hält 20 Jahre, oder ein No-Name-Produkt, das kurz nach der Garantie den Geist aufgibt. Dem Patienten beizubringen, dass es gut ist, in die Zahngesundheit zu investieren, ist manchmal schwierig. Besonders, wenn sie das vorher nicht gehört haben, wenn sie nicht damit aufgewachsen sind...

Oftmals kann man ja viele Jahre mit einem kaputten Zahn irgendwie klar kommen. Nach dem Motto, ok, muss ich halt auf der anderen Seite kauen...

Ja, viele Patienten wissen schon, dass da was ist. Dann versuchen sie, das Problem zu ignorieren. Das kennt man ja auch von kleinen Problemen im Alltag. Und wenn man weiß, dass es unangenehm wird, dann schiebt man das so lange es geht vor sich her. Wenn´s dann erst mal ein halbes Jahr gegangen ist, denkt man sich, ach ja, dann geht´s sicher noch ein halbes Jahr. So werden dann aus dem halben Jahr auch mal fünf oder zehn Jahre.

Es ist ja erstaunlich, wie lange man offenbar einen kariösen Zahn unbehandelt lassen kann.

Nun ja, es ist eher die Frage, wie lange man ihn noch retten kann. Es gibt eine gewisse Zeitspanne, da kann man den Zahn stehen lassen und er macht keine Probleme. Man kann den Zahn dann noch reparieren. Aber dann tritt der Fall ein, dass der Zahn sich in seine Einzelteile auflöst und irgendwann nur noch der Rest der Wurzel drin steckt. Aber sicher, bis dahin vergeht auch noch einige Zeit. Je länger nichts gemacht wird, desto kariöser der Zahn wird, desto schwieriger wird es, den Zahn zu retten und wieder aufzubauen.

Wie lange halten Zähne mit Karies durch? Gibt es da Zeitspannen, die man nennen könnte?

Nein, das ist ganz schwer zu sagen, das ist ganz individuell. Es gibt Fälle, da liegt eine ganz kleine Karies vor und die bleibt für zwei, drei, vier oder fünf Jahre stabil. Es gibt auch Fälle, die kommen nach einem Jahr und es ist dann bereits ein riesig großes Loch entstanden. Das kann man ganz schlecht einschätzen. Das ist von Patient zu Patient völlig unterschiedlich.

Offenbar ist nur ein Prozent der Bevölkerung in Deutschland frei von Karies.

Es gibt verschiedene Indizes und Studien, die erhoben worden sind. Bei Kariesfreiheit geht man davon aus, dass dann auch keine Füllung vorliegt. Wenn man jetzt sagt, akut kariesfrei, dann ist es bestimmt ein höherer Prozentsatz. Aber dass Menschen noch nie eine Karies gehabt haben in ihrem bleibenden Gebiss, und demnach auch keine Füllung, keine Krone, gar nichts, da kann das gut hinkommen.

Dann haben 99 Prozent das Problem...

Ja, es ist sehr variabel. Es gibt den einen, der hat mit Ende 30 mal eine kleine Karies. Und dann gibt es den anderen, der hat mit Anfang 20 an jedem Zahn eine Karies. Das ist ein sehr breit gefächertes Feld.

Worin besteht Karies?

Im Mund sind verschiedene Bakterien. Wenn diese Bakterien Nahrung bekommen, in Form von Nährstoffen wie Zucker und Kohlenhydrate, die sie für ihren Stoffwechsel nutzen können, dann bilden sich Abbauprodukte, die säuerlich sind. Diese Abbauprodukte und die Säure lösen die Zahnhartsubstanz auf. Wenn man sich nicht die Zähne putzt, gibt man den Bakterien Nährstoffe, welche wiederum die Abbauprodukte freisetzen, wodurch die Zahnhartsubstanz weich wird und einbricht. So bilden sich Löcher.

Ist Karies gut zu erkennen?

Das kommt darauf an. Wenn man an den äußeren Flächen Karies hat, die ersichtlich ist, dann kann man es erkennen. Wenn Patienten aber keine Zahnseide benutzen, keine Zwischenraumbürsten, dann ist es meistens so, dass sich die Karies am Kontakt zwischen zwei Zähnen bildet, im Zwischenraum. Da kann man sie von außen schwer sehen, wenn dann nur durch einen Schatten, der sich zeigt. Da muss man sich mit Röntgenbildern behelfen. Oder es gibt verschiedene Lampen, mit denen man in den Zwischenraum leuchten kann und dann sieht, wie die Lichtdurchlässigkeit des Zahnschmelz beschaffen ist. Wir haben auch Laser, mit denen man die Dichte vom Zahn messen kann, um zu gucken, ob darunter eine Karies ist oder ob der Zahn noch seine natürliche Dichte hat.

Mit speziellen Lasern können Sie Karies feststellen?

Der Laser wird auf den Zahn gerichtet und misst auf der Oberfläche und in den Fissuren die Dichte des Zahns. Die Fissuren, das sind oben auf dem Zahn die feinen Rillen. Dort kommt der Laser zum Einsatz. Er erkennt Karies, bevor sie den Augen des Behandlers sichtbar wird.

Worin besteht die Fluoridierung?

Fluorid ist zum Beispiel in der Zahnpasta enthalten. Fluorid ist ein Stoff, der sich im Speichel löst und dann in Form von Fluorapatit im Zahn eingebaut wird, anstatt dem Hydroxilapatit. Zahnschmelz besteht größtenteils aus Hydroxilapatit, einem Mineral, dessen Hauptbestandteile Calzium und Phosphat sind. Wenn sich feine Kristallbestandteile aus dem Zahn lösen, wird Fluoridapatit wieder eingebaut. Fluoridapatit ist ein bisschen widerstandsfähiger als die natürliche Zahnhartsubstanz. Dadurch wird der Zahn widerstandsfähiger gegen die Säureangriffe und die Bakterienabbauprodukte, die zur Karies führen.

Wie sieht die optimale Zahnhygiene aus? Muss man sich nach jedem Essen die Zähne putzen?

Eigentlich reicht zwei Mal am Tag aus. Es gibt viele Patienten, die putzen sich auch drei Mal die Zähne. Das kommt darauf an, wie man sich wohl fühlt. Doch laut Studienlage reicht es, sich zwei Mal am Tag die Zähne zu putzen, vorausgesetzt, man macht es gründlich und sorgfältig. Man kann nicht sagen, dass eine elektrische Zahnbürste unbedingt besser ist als eine Handzahnbürste. Es ist wichtig, dass die Handzahnbürste nicht zu groß ist, damit man auch in die schwer erreichbaren Ecken kommt. Durchschnittlich sollte man mindestens drei Minuten die Zähne putzen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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